Vielleicht ist es sogar ein Mix aus verschiedenen Gefühlen, denn wir alle erleben Veränderungen in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Lebens und empfinden diese auch ganz differenziert.
Nun stehen wir auch in unserem kirchlichen Bereich vor Veränderungen. Gemeinsam mit den Seelsorgeeinheiten Weinheim-Hirschberg, Schriesheim-Altenbach-Dossenheim, Steinachtal und Hemsbach bilden wir ab dem 01. Januar 2026 die Pfarrei St. Marien Weinheim.
Das klingt sicherlich noch sehr seltsam. Fragen tauchen auf, Unsicherheiten werden deutlich und so ist zu spüren, dass sich die Freude oder gar eine Euphorie über diese Veränderung erst einmal in Grenzen hält.
Mit dem Blick auf das Bild, dem der Fotograf den Titel „Aufwärts im Vertrauen“ gegeben hat, möchte ich uns allen einen Segen mit auf diesen Veränderungsweg mitgeben:
Du bist gesegnet mit deinem Gestern, das dich geprägt hat.
Du bist gesegnet in deinem Heute, in dem du lebst und lachst und weinst.
Du bist gesegnet für dein Morgen, brich auf in Zuversicht.
Gott, unser barmherziger Vater, segne uns,
dass wir auf Jesus Christus schauen, der uns vorangeht,
und nicht auf die Schwierigkeiten des Wegs,
dass dein Heiliger Geist uns erfülle und nicht Angst und Traurigkeit,
dass deine Liebe uns stärke und uns nichts von dir abhalte.
Amen.
Gemeindereferentin Silvia Streun
Der Titel des Dokuments
im Oktober und November
Pfarrer Matthias Stößer
Liebe Leserin, lieber Leser,
auf dem Titelbild unseres Fensters zur Seelsorgeeinheit greift eine Person mit beiden Händen in den lockeren, dunklen Erdboden. Dabei hat man den Eindruck, dass sie dazu in die Hocke geht und fast kniet. Soviel Mühe und Wertschätzung und das mit bloßen Händen?
Warum nicht? Ohne fruchtbaren Erdboden gäbe es keinerlei Leben auf der Erde und auch keinen Grund Erntedank zu feiern. Lassen wir doch einfach mal den Boden selber zu uns sprechen:
„Darf ich mich vorstellen?
Ich bin der Boden unter euren Füßen. Ich bin ein stiller und dunkler Geselle. Nicht schön wie die Blumen, nicht leichtfüßig wie die Tiere, die über mich laufen. Manchmal nennt ihr mich Erde, manchmal Matsch und Dreck – doch da unten wartet viel mehr, als ihr bisher vielleicht vermutet. Unter euren Füßen existiert eine wahre Wunderwelt. In einer Handvoll von mir können mehr Organismen leben als es Menschen auf dieser Welt gibt. Das sind Bakterien, Einzeller, Pilze. Algen, Würmer, Krebstiere, Spinnentiere, Tausendfüßer und Insekten.
Ich der Boden, bin ein Fest für die Sinne. Ich rieche angenehm nach Wald, nach Moder, nach Erde. Ich habe eine schöne Farbe, fühle mich locker und krümelig an, wenn ich gesund bin. Normalerweise bin ich auch bewachsen, so dass ich meine Superkraft entfalten kann.
Und als Gartenboden bei euch bin ich nur fruchtbar, wenn es auch den klitzekleinen Bewohnern gutgeht – wenn sich jeder in seinem eigenen Lebensbereich in einer ganz bestimmten Tiefe einrichten kann. Einige haben es gerne etwas dunkler, graben sich aber nur wenige Zentimeter ein, weil sie Sauerstoff brauchen. Andere sind wahre Freunde des Untergrunds. Und: Vorsicht vor der Schaufel! Wer mit der Gartenschaufel anrückt verursacht ein großes Erdbeben. Es dauert danach eine ganze Weile, bis sich alle Bewohner wieder auf den Weg in ihre Lieblingsetage gemacht und neu eingerichtet haben.
Also: Lockern ist gut, Wenden ist meistens nicht erforderlich.
Als Speicher für Humus, Wasser oder Nährstoffe trage ich zum Klimaschutz, zur Ernährung oder auch zur Vermeidung von Hochwasser bei.
Warum bin ich so wichtig? Ich kann es euch sagen: Ob im Garten, im Wald oder in der Stadt: Ich, der Boden bin immer an der Seite der Menschen. Das fängt beim Essen an, denn die Leckereien auf dem Tisch wie Brot, Nudeln, Obst oder Gemüse, gäbe es ohne mich nicht. Ohne fruchtbaren Boden wären unsere Teller so gut wie leer.
Bitte vergesst nicht: Allein unter einem Quadratmeter Bodenoberfläche kann ich die Wassermenge einer großen Badewanne speichern – aber nur dort, wo keine Asphalt- oder Betondecke meine Sicht nach oben versperrt.
Ich bin empfindlich und einmalig. Das Bewusstsein für mich als Boden, für meine Gesundheit, ist deshalb der erste Schritt mich zu beschützen. Also nun kennt ihr mich ein wenig. Ich freue mich über eure Gesellschaft – vielleicht mal wieder beim Spielen oder Toben auf dem Rasen.“
Diese Vorstellung eines ganz alltäglichen Erdbodens habe ich im Materialheft zum diesjährigen Erntedankfest unter www.landpastoral.de gefunden.
Im zweiten Schöpfungsbericht heißt es, dass wir Menschen Geschöpfe des Erdbodens sind: „Da formte Gott der Herr, den Menschen, Staub vom Erdboden.“ Wir sind also ganz elementar mit der Erde verbunden. Zugleich wird auch betont, dass der Mensch zu einem lebendigen Wesen wurde, indem Gott der Herr in seine Nase den Lebensatem blies.
Dieser Lebensatem verbindet uns ebenso existentiell mit Gott. Er gibt uns den Auftrag verantwortungsvoll mit der Mutter Erde umzugehen. Dass wir sie nicht selbstherrlich beherrschen oder ausbeuten, sondern sie vielmehr behüten und bewahren, damit alle Menschen sich über die wirklich vielfältigen Früchte eines guten Bodens freuen können.
Einen gesegneten Erntedanksonntag und eine gute Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Matthias Stößer
Der Titel des Dokuments
im August und September 2025
Diakon Tomas Knapp
Sabbat im Sommer Warum Gott das Innehalten segnet
Die vergangenen Wochen waren in unserer Kirchengemeinde von einigen bedeutenden Momenten geprägt: Gemeinsam mit unseren Kindern und Jugendlichen durften wir Erstkommunion und Firmung feiern – Schritte, die den Glaubensweg stärken und erweitern. Besonders die Begegnung mit Weihbischof Dr. Birkhofer war ein inspirierender Höhepunkt. Fronleichnam hat uns den Glauben auf die Straßen tragen lassen, und auch in den ökumenischen Gottesdiensten konnten wir spüren: Kirche geschieht dort, wo Menschen zusammenkommen – mitten in Ladenburg und Heddesheim, mitten im Leben.
Diese intensiven Wochen waren reich an Begegnungen, aber auch herausfordernd. Vieles wurde mit Hingabe vorbereitet und begleitet, getragen von vielen engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen. Jetzt, ime Sommer, wird der Kalender etwas leerer und wir sagen: „Jetzt wird’s ruhiger.“ Doch wer kennt es nicht? Auch die ruhigen Wochen füllen sich schnell: Urlaube wollen geplant, Familienzeiten abgestimmt, Vertretungen organisiert, die Sommerhitze ausgehalten und laufende Projekte der Kirchenentwicklung weitergeführt werden. Manchmal wird selbst der Sommer zu einer versteckten Stressfalle. Unser Glaube schenkt uns eine heilsame Unterbrechung: den Sabbat. Ein Tag der Ruhe, von Gott selbst ins Leben gerufen. Nicht erst dann, wenn alles erledigt ist, sondern mittendrin. Im Schöpfungsbericht heißt es: „Und Gott ruhte am siebten Tag von all seinem Werk.“ (Gen 2,2) Er schaut zurück und sieht: Es ist gut. Wie wohltuend wäre es, wenn auch wir dieses „gut so“ in unser Leben lassen könnten. Doch oft fühlen wir uns getrieben von der Sehnsucht nach „mehr“ – mehr Leistung, mehr Perfektion, mehr Tempo. Fertig sind wir nie.
Auch die Jünger Jesu waren erschöpft. Und Jesus sagt zu ihnen und damit auch zu uns: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ (Mk 6,31) Jesus fordert nicht mehr Einsatz, sondern lädt zur Ruhe ein. Der Sabbat ist kein Luxus, sondern Gottes Geschenk. Er sagt: „Du darfst einfach sein. Ohne etwas leisten zu müssen.“
Sabbat im Sommer, das kann ganz unterschiedlich aussehen: eine Stunde im Garten, ein stiller Moment am See, ein Gebet auf dem Balkon, ein Spaziergang ohne Ziel, ein Lied das die Seele öffnet, ein nettes Gespräch mit dem Nachbarn. Vielleicht auch ein bewusstes Loslassen der Gedanken, die uns nicht loslassen wollen. Probleme, die uns selbst im Urlaub beschäftigen, dürfen wir Gott anvertrauen. Was für eine Entlastung, wenn wir sie in seine Hände legen, im Vertrauen darauf, dass er für uns sorgt.
Denn Gott ist nicht nur in den großen Festen und Gottesdiensten anwesend. Er ist da, auch in der kleinen Pause, im tiefen Atemzug, im stillen Gebet. Gerade in der Stille kann er uns auf besondere Weise begegnen.
Ich wünsche Ihnen von Herzen einen gesegneten Sommer voller echter Sabbatmomente, für Ihr Herz, Ihre Seele und Ihren Glauben. Und vielleicht hören auch Sie seine Stimme: „Komm, ruhe dich ein wenig aus.“
Ihr Diakon Tomas Knapp
Der Titel des Dokuments
im Juli 2025
Gemeindereferentin Silvia Streun
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in der katholischen Kirche gibt es tausende von Heiligen (Frauen & Männer). Bestimmt können Sie genau jetzt in diesem Moment einige davon aufzählen. Wenn wir einen Blick in den Heiligenkalender des Monats Juli werden, entdecken wir hier viele eher unbekannte Namen, wie z.B. Agilolf oder Kyrilla.
Am 22. Juli bin ich bei einem Namen hängen geblieben: Hl. Maria Magdalena.
Gerne würde ich wissen, welche Gedanken Ihnen nun gerade bei der Nennung des Namens durch den Kopf gehen. Im Laufe der Kirchengeschichte wurde über die biblischen Erkenntnisse hinaus viel in diese Frau hineininterpretiert und einige Legenden ranken sich um sie. In der Literatur und Kunst wird Maria Magdalena meist als reuige Sünderin dargestellt. Warum dies so geschieht, ist unklar, denn in der Bibel finden sich solche Interpretationen nicht. Eher im Gegenteil. Immerhin wird sie beispielsweise nicht über die Zugehörigkeit zu einem Mann definiert, sondern über ihren Heimatort: Maria von Magdala.
Für mich ist ihre Stärke und die Treue zu Jesus beeindruckend und die Tatsache wertzuschätzen, dass sie im Markusevangelium, dem ältesten Evangelium, als die erste Zeugin der Auferstehung Jesus erwähnt ist. Ihr hat er sich zu erkennen gegeben. Erfüllt von dieser Begegnung geht sie zurück und erzählt den weinenden und klagenden Jüngern, was sie erlebt hat. Doch sie glauben ihr nicht.
Leider taucht sie dann im weiteren Verlauf des Neuen Testaments nicht mehr auf und vielleicht hat gerade dies die Legenden und Geschichten um sie über eine lange Zeit befeuert.
Aber schon in der frühen Kirche (bezeichnet die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte, bis ca. 500) wurde Maria Magdalena als „Apostelgleiche“ verehrt und „Apostelin der Apostel“ genannt. Ich muss gestehen, dass mir das so nicht bekannt war. Aufmerksam wurde ich darauf erst durch Papst Franziskus. Im Jahr 2016 hat er entschieden, den bisherigen gebotenen Gedenktag zu einem Fest aufzuwerten. Somit wurde Maria Magdalena im Rang des Gedenkens im Heiligenkalender den Aposteln gleichgestellt. Für mich auch ein kleines Zeichen der Wertschätzung der Rolle von Frauen in der Kirche.
Um mehr als Wertschätzung, geht es aktuell neun jungen Frauen, die in Freiburg Theologie studieren und Ende Mai ihre Bewerbungsschreiben für das Priesterseminar eingereicht haben. Dahinter steckt der Wunsch, dass in unserer Kirche die Berufung und Eignung zählen und nicht das Geschlecht. Eine der Frauen formuliert es so: „Ich bin überzeugt davon, dass ich als Priesterin ein großer Gewinn für die Erzdiözese Freiburg wäre.“
Sicherlich hätten sie mit Maria Magdalena eine Unterstützerin ihres Anliegens, denn ihr hat Jesus den Auftrag gegeben, den Jüngern von seiner Auferstehung zu berichten.
Maria Magdalena – eine Heilige unter Vielen, die ihr Leben der Verkündigung des Evangeliums verschrieben haben und eine bemerkenswerte Frau, die uns als Christinnen und Christen ein Vorbild sein kann. Folgen wir, wie sie, dem Ruf Jesu aus dem Markusevangelium: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“
Es grüßt Sie ganz herzlich,
Gemeindereferentin Silvia Streun
Der Titel des Dokuments
im Juni
Pfarrer Matthias Stößer
Komm herab, o Heilger Geist
Liebe Leserin, lieber Leser,
mit dem Erscheinen dieser Ausgabe sind es nur noch wenige Tage bis Pfingsten. Es ist das Fest, das die 50-tägige Osterzeit vollendet. Es erinnert uns an die bleibende Gegenwart des auferstandenen Herrn in seiner Gemeinde. Wir können Pfingsten auch als den Geburtstag der Kirche bezeichnen.
Damals wie heute ist es der Heilige Geist, der die verängstigten Jünger belebt. Er macht ihnen und uns Mut, beflügelt durch seine Kraft, die Frohe Botschaft, das Evangelium in die Welt hinauszutragen. So heißt es in der Apostelgeschichte: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.“
Dabei denke ich an das gerade zu Ende gegangene Konklave in Rom. Da waren ja auch die Kardinäle im Gebet in der Sixtinischen Kapelle versammelt, um einen Nachfolger für den verstorbenen Papst Franziskus zu wählen. Mit großer Spannung hat dann schier die ganze Welt darauf gewartet, bis da der weiße Rauch aus dem Schornstein emporsteigt und damit anzeigt, dass nun ein neuer Papst gewählt worden ist.
Als es so weit war, hat man dann in der Live-Übertragung gesehen, wie auf einmal immer mehr Menschen zum Petersplatz herbeiströmten. Der Kardinaldekan ist auf die Mittelloggia der Petersbasilika getreten, um allen die große Freude zu verkünden: „Habemus Papam“. Danach hat er den Namen des neuen Kirchenoberhauptes genannt. Es ist Robert F. Prevorst, stammt aus den USA, hat viele Jahre als Augustiner- Missionar, dann als Bischof in Peru gewirkt und er nennt sich Leo XIV.
Genau wie im Pfingstevangelium sind seine ersten Worte: „Der Friede sei mit euch allen!“ Nun ertönt ein heftiges Brausen, und zwar der Beifall der jubelnden Menschenmenge.
In seiner ersten kurzen Ansprache sagt er: „Ich hoffe, dass dieser Friedensgruß alle Völker und alle Menschen erreicht.“ Es sei „ein unbewaffneter und entwaffnender Friede“ so der neue Papst weiter. Mehrfach betont Leo, die Kirche sei aufgerufen, Brücken zu bauen und den Dialog zu suchen. „Wir wollen gemeinsam als Missionare unterwegs sein. Wir wollen eine synodale Kirche auf dem Weg sein. Wir wollen allen nahe sein, die leiden.“
Damit hat der Papst in seiner ersten Vorstellung das zum Ausdruck gebracht, worum es zuallererst in unserem Glauben geht: All die vielen großen und kleinen Gräben des Gegeneinanders in der Welt zu überwinden und mit der Kraft des Heiligen Geistes unseren Beitrag für einen umfassenden Frieden zu leisten. Es ist ein Friede, der über das Schweigen der Waffen hinausreicht, er bedeutet auch Glück, Wohlergehen, Heil, Gerechtigkeit für alle Menschen, ja für die ganze Schöpfung.
Schauen wir nochmals auf den Tag des Pfingstfestes, wie die Bibel ihn beschreibt: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen… und erfüllte das ganze Haus. Zungen wie von Feuer ließen sich auf jeden von ihnen nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.“ Diese Bekräftigung, dass jenes Feuer sich auf jeden niederließ und dass alle und das ganze Haus mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden – dies zeigt uns ganz deutlich, dass jede und jeder von uns durch Taufe und Firmung berufen ist, die große Freude, die uns der Geist schenkt, zu leben und unseren Mitmenschen weiterzugeben.
Wir dürfen uns auch freuen, dass sich in diesen Wochen Jugendliche aus unseren beiden Gemeinden auf den Empfang des Sakramentes der Firmung am 28. Juni vorbereiten. So sagen Sie bewusst ja zum Heiligen Geist als wichtigen Begleiter für ihr Leben. Der Heilige Geist ist ein Geschenk, er weht, wo er will, er kommt plötzlich. Zugleich will er auch erwartet und herbeigesehnt werden. Tun wir dies mit Versen des Gebetes der Pfingstsequenz:
Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in unsere Welt. Komm o du glückselig Licht fülle Herz und Angesicht dring bis auf der Seele Grund. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.
Ein frohes und gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Matthias Stößer
Der Titel des Dokuments
im April und Mai
von Diakon Tomas Knapp
„Herausgerufen-Sein“
In unseren beiden Kirchen bieten wir monatlich das Sakrament der Taufe an. Im vergangenen Jahr durften wir 23 Kinder in unserer Gemeinde taufen. Wir freuen uns über die Entscheidung der Eltern, ihre Kinder in die Gemeinschaft der Kirche einzugliedern, und begleiten sie gerne gemeinsam mit den Paten auf diesem bedeutsamen Weg. Mit der Taufe vertrauen sie ihre Kinder Gott an und bitten um seine liebevolle Begleitung und Schutz.
Veränderte Erwartungen und Voraussetzungen Die Erwartungen und Voraussetzungen der Eltern oder Alleinerziehenden und der Kirche sind oft recht unterschiedlich. Früher galt es als üblich, dass die Eltern katholisch und kirchlich verheiratet sind und auch der Pate oder die Patin katholisch und gefirmt ist. Es wurde erwartet, dass sie in der Kirche verwurzelt sind und regelmäßig Gottesdienste besuchen. Dieses Bild hat sich jedoch geändert. Viele Eltern geben offen zu, dass sie sich nicht mehr zur kirchlichen Gemeinschaft zugehörig fühlen. Häufig ist ein Partner aus der Kirche ausgetreten und die Eltern sind nicht verheiratet. Auch die Suche nach einem katholischen Paten gestaltet sich oft als schwierig.
Rückgang der Taufen und des Glaubenswissen Die hohe Zahl der Austritte und die zunehmende innere Distanzierung der Menschen zur Kirche werden in der Praxis immer deutlicher. Laut der Statistik über die Eckdaten kirchlichen Lebens der Deutschen Bischofskonferenz ist die Anzahl der Taufen in Deutschland in den letzten Jahren um 40 % zurückgegangen. Wir spüren, dass sich das gesellschaftliche Umfeld stark verändert hat. Traditionen, die früher selbstverständlich waren, sind vielerorts nicht mehr vorhanden. Oftmals sind die Eltern und Paten distanziert von der Kirche und dem Glauben, was jedoch zu einem Widerspruch führt: Wie sollen sie ein Kind im christlichen Glauben erziehen, wenn sie selbst fernstehen? Die Kirche erwartet jedoch, dass Eltern ihr Kind im christlichen Glauben erziehen, wenn sie es zur Taufe anmelden. Dies wird im Taufritus durch das Versprechen der Eltern und das Ablegen des Glaubensbekenntnisses deutlich.
Ein anderer Ansatz
Wie soll die Kirche auf die gesellschaftlichen Umbrüche reagieren, und wie könnte dies konkret bei der Taufe geschehen? Wie sollten sich Seelsorger in solchen Situationen verhalten? Müssten sie die Eltern nicht auf die Einhaltung der Regeln hinweisen und die Taufe auf einen späteren Zeitpunkt verschieben? Ich denke, das wäre der falsche Weg und sicherlich nicht im Sinne Jesu. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf die Taufe, und die Kirche darf sie ihm nicht leichtfertig verwehren. Einer meiner geschätzten Lehrer antwortete auf diese grundlegenden Fragen mit einem Zitat aus dem Lukas-Evangelium (Lk 3,8): „Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams erwecken.“ Damit meinte er, dass wir keine Richter über Menschen sind, sondern Begleiter auf ihrem Weg zu Gott. Ja, wir sind sogar in besonderer Weise für Menschen zuständig, die aus einer inneren Ahnung und Sehnsucht heraus den Kontakt zu Gott suchen. Unsere Antwort in dieser schwierigen Zeit der Kirche ist es, dass wir uns freuen sollten, wenn Eltern ihr Kind zur Taufe bringen. Unabhängig vom Personenstand der Eltern ist sie ein wichtiger Moment im Leben des Neugeborenen, wenn es in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wird. Entscheidend ist, dass zumindest eine Person aus dem Umfeld getauft, katholisch und Teil der Kirche ist, um die Verantwortung im Glauben zu übernehmen. In diesen Zeiten ist jede Familie, die den Glauben weiterträgt, ein wertvoller Segen für die Kirche. Schließlich versprechen nicht nur die Eltern und Paten für die christliche Erziehung der Kinder einzutreten, sondern auch die Kirchengemeinde selbst. Auch sie übernimmt bei der Taufe eine Verantwortung dafür.
„Der neue Weg“ der ersten Christen Die ersten Christen bezeichneten sich als „der neue Weg“ und bekannten sich oftmals unter Lebensgefahr dazu. Sie kamen zusammen, um das Leben und den Glauben miteinander in Frieden zu teilen. „Eclesia“ ist der bekannte Name für die Kirche und bezeichnet Menschen, die sich „herausgerufen“ fühlen, sich versammeln, um Gott zu verehren und das Leben und den Glauben miteinander zu teilen. In der Taufe wird dem Neugeborenen zugesagt, dass es für immer ein herausgerufener Mensch sein wird und dieses Versprechen über den Tod hinaus gültig bleibt. Durch die Salbung mit dem Heiligen Chrisam-Öl wird diese Zusicherung besiegelt und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mögen die Taufen in unserer Gemeinde immer ein Anlass zur Freude sein und uns daran erinnern, dass jeder Einzelne von uns von Gott geliebt und gerufen ist, seinen Weg zu gehen.
Bleiben Sie als „Herausgerufene“ von Gott gesegnet und behütet,